Räude – was kann man selbst alles dagegen tun?

Die Blätter fallen. Das Wetter schlägt um. Regen und Wind läuten nicht nur den Winter ein – denn auch die Anfragen nach Informationen und Hilfe strömen wieder herein. Das Thema: Räude.

Räude ist in unserem feuchten Klima ein weit verbreitetes Problem bei Alpakas, sowohl bei Hobbyhaltern als auch bei Züchtern. Räude macht keine Unterschiede. Niemand bleibt verschont. Schäme dich also nicht, sondern packe es gründlich an. Wenn man das nicht sofort richtig macht, führt dies zu unnötig großem und langem Leiden der Tiere.

Besitzer, die bereits seit Monaten mit Räude-Problemen in ihrer Herde kämpfen, fragen uns, ob wir aus der Ferne die erlösende Lösung teilen können. Leider können wir das nicht, und zwar aus folgenden Gründen: Wir sind keine zertifizierten Tierärzte und geben daher keine medizinischen Ratschläge – erst recht nicht aus der Ferne. Zudem gibt es für Räude kein allgemeines und auf jedes Tier anwendbares Konzept. Jede Situation ist anders.

Bright war vorübergehend zur Räudebehandlung zurück
Befallene Haut

Symptombekämpfung

Was uns auffällt: Es wird oft noch viel zu wenig wirklich über Räude nachgedacht. Viele Besitzer nehmen an, dass man seine Tiere standardmäßig „präventiv“ behandeln lassen kann. Dabei ist dies völlig unnötig, hilft nicht und tut den Abwehrkräften des Tieres ganz und gar nicht gut. Und sobald (dennoch) Räude entdeckt wird, bricht Panik aus: Es folgt eine Spritze, eine Tablette und Wochen später noch eine Spritze. In der Zwischenzeit verschlimmert sich die Situation nur noch. Manchmal kommen dann sogar noch Duschen, Waschanlagen oder andere Dinge zum Einsatz – mit schweren Medikamenten. Das Tier leidet. Es kostet den Besitzer viel Geld. Nimm es uns ab: Ohne dass zuerst die zugrundeliegende Ursache des Räude-Ausbruchs untersucht wurde, bleibt es reine Symptombekämpfung.

Mara hält die Entwicklungen fest
Nach der Behandlung bekommt Bright einen warmen Schal um

Gute Tipps

Helfen wir dann überhaupt nicht? Doch, natürlich. Wir haben Tipps, um Räude einmal aus einem anderen Blickwinkel te betrachten. Aber das erfordert etwas: einen objektiven und ehrlichen Ansatz der Besitzer und auch erfahrene Tierärzte mit Verstand von Alpakas und ganzheitlichem (holistischem) Wissen. Denn Räude zeigt sich dann, wenn die Abwehrkräfte des Tieres geschwächt sind. Man kann es als Signal sehen: Irgendwo ist das Gleichgewicht gestört.

Externe Faktoren

Man muss also schnell auf die Suche nach den Ursachen gehen. Schaue dir daher folgende externe Faktoren genau an: Vertiefe dich in die Ernährung deiner Alpakas und wie diese pro Tier auf den Energiebedarf abgestimmt ist. Untersuche die Unterbringung, die Einstreu im Stall. Denke über die Herdenzusammensetzung nach (ist sie vielleicht zu groß oder zu klein, oder laufen die verschiedenen Geschlechter durcheinander?) und über die Herdendynamik (können alle entspannen, oder sind einige schreckhaft, gestresst, aggressiv?). An welchen Pflanzen können sie knabbern? Welche Grassorte hast du gesät? Gibt es mentale Herausforderungen – wie Abwechslung – auf den Weiden und haben sie ausreichend Platz? Ist immer genügend sauberes Trinkwasser für sie erreichbar?

Untersuche dich selbst

Beziehe auch dich selbst in die Untersuchung mit ein: Wie gehst du auf deine Tiere zu? Wie behandelst du sie? Finden sie das angenehm? Kommen sie unbefangen und freudig auf dich zu? Was verursacht vielleicht Stress, und wie kannst du das reduzieren?

Untersuche die Milbe

Um die Räude effektiv zu behandeln, ist es wichtig te wissen, mit welcher Räudemilbe man es genau zu tun hat. Und es bleibt leider fast nie bei einer reinen Räudeinfektion: Wir sehen oft eine gigantische Gewichtabnahme, was der Genesung natürlich nicht zuträglich ist – das Tier schwächt nur noch mehr ab, und auch die Anfälligkeit für alle möglichen anderen Probleme und Infektionen steigt (denke zum Beispiel an opportunistische Bakterien; das sind hautübliche Bakterien, die in die geschädigte Haut eindringen und sie weiter infizieren). So stapelt sich das Elend immer weiter auf.

Positiver Einsatz

Ein Räude-Ausbruch ist zum Heulen. Aussichtslos und schwer. Aber pass auf: Auch deine eigene innere Haltung (State of Mind) hat Einfluss auf deine Tiere und kann sie weiter aus dem Gleichgewicht bringen. Denn wenn du selbst nicht mehr daran glaubst, warum sollten sie es dann noch tun? Räude erfordert positiven Einsatz, Entdeckergeist, Beobachtungsgabe, die Lust am Puzzeln und eine Dosis Glück. Jedes Alpaka ist anders. Jede Situation ist anders. Und jeder Besitzer ist anders.

Wir helfen gerne

Inzwischen sind wir – auch was Räude betrifft – mit allen Wassern gewaschen und als Team bestens aufeinander eingespielt. Können wir Alpakas helfen? Sicher. Jedes Jahr haben wir eine kleine Anzahl von Plätzen frei für (junge) Alpakas mit Räude, die nach dem Ausprobieren verschiedener Methoden einfach nicht gesund werden. Diese Alpakas nehmen wir so lange wie nötig bei uns auf und behandeln sie. Konsequent, nach einem auf das jeweilige Tier abgestimmten Behandlungsplan. Wir schwimmen mit ihnen auf unseren Armen im Meer. Wir scheren und schneiden, waschen und fönen, cremen und salben, mixen und mengen, träufeln und füttern und behalten alle Alpakas jeden Tag ganz genau im Auge. Dieser Prozess ist kostspielig. Da muss man als Besitzer schon etwas für übrig haben.

Angemessener Beitrag

Es kommt vor, dass Menschen ein Alpaka mit Räude abgeben. In dem Fall bitten wir um einen angemessenen Beitrag, um das Tier wieder auf die Beine te bringen. Unsere treuen Sponsoren und Spender unterstützen uns mit Beiträgen in Form von Zeit, Medikamenten und Geld.

Hilf uns zu helfen

Besuche das Alpaca Rescue Centrum Nederland oder buche eine Alpaka- oder Lama-Aktivität. Damit unterstützt du die hilfsbedürftigen Tiere in unserer Auffangstation und erlebst gleichzeitig einen unvergesslichen Tag!