Pims letzte Momente
Donnerstag, 23. April
Der Tag der Untersuchungen bei EquiSound in Belgien. Abfahrt in Aagtekerke: 06:00 Uhr. In der Morgendämmerung folgt Pim fröhlich und gutmütig den beiden Lamas Lilly und Sindaya in den Anhänger. Millie begleitet Mara auf dieser frühen Reise. Bei der Ankunft in Belgien scheint die Sonne. Pim knabbert entspannt am frisch gemähten Gras des Rasens vor der Klinik. Es werden seine letzten Bissen sein.
Selbstbewusst läuft er Lilly hinterher. Auch kurz auf die Waage – ein Ritual, das er so gut kennt. Mit der Nase in Maras Kragen lässt er sich den Hals scheren, die Betäubung verabreichen und den Infusionszugang legen. In ihren Armen schläft er ein. Voller Vertrauen. Denn auch die Worte „Es wird alles gut. Wir werden dir helfen. Ich bleibe bei dir“, kennt er wie kein anderer.


Längere Narkose
Nach dem MRT-Scan wacht Pim langsam etwas auf. Doch um einen Ultraschall machen und eventuell Flüssigkeit drainieren zu können, muss er noch einmal tiefer einschlafen. Also wird die Narkose verlängert. Mit seinen Hinterbeinchen in ihren Händen schaut Mara beim Ultraschall zu. In dem Moment, als die Drainagenadel geholt wird, sagt eine assistierende Praktikantin: „Er atmet nicht mehr.“ Alle Wiederbelebungsversuche helfen nicht. Innerhalb weniger Minuten sind Pims Fußsohlen kalt.
Auf der Rückreise im Anhänger drückt Pflegemutter Lilly immer wieder ihre Nase an seinen leblosen Körper. Zurück auf dem Hof verweilt sie bis spät in den Abend hinten auf der Weide, genau an der Stelle, an der Pim immer am liebsten lag. Immer wieder blickt sie sich suchend um und schaut uns dann eindringlich an.

Ohne Pim
Auch uns fehlt der Halt: das Geben seiner Flasche – fast immer das Erste am frühen Morgen, dann nach dem Mittagessen, am späten Nachmittag und als Letztes während Maras Abendrunde. Seit 351 Tagen passten sich sowohl der Tagesablauf des Teams als auch der Rhythmus aller Tiere Pims Entwicklungen an. Jeder war ständig wachsam, beobachtend. Täglich tauschten sich Renate und Mara darüber aus, „wie viele Flaschen er leergetrunken hatte“. Und jeden Morgen verkündete Mara das Gesamtergebnis des Vortrags: gestern 6 Flaschen, oder 5, oder 8. Einmal sogar 9,5.
Pim wird nie wieder seine Nase in Lillys wollige Flanken stecken. Nie wieder von den Ballen frischen Heus naschen. Nie wieder schelmisch um die Ecke gucken. Nie wieder gierig an der Flasche nuckeln. Nie wieder an Maras Gesicht schnuppern. Und im Moment ringen wir mit der Frage: Wie kann sein plötzlicher Tod zum Wissen und Können beitragen, um anderen Alpakas zu helfen?

