Hitzestress bei Alpakas

An warmen Tagen erhalten wir regelmäßig Fragen da rüber, wie Alpakas und Lamas mit der Hitze umgehen. Man könnte meinen, dass ihnen höhere Temperaturen nichts ausmachen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Obwohl sie ursprünglich aus den Anden stammen, sind sie eigentlich eher an kühle Nächte und ein trockenes Klima angepasst. Die warmen, feuchten Sommertage – wie wir sie aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien kennen – sowie die schwülen Nächte, in denen es kaum abkühlt, sind für sie keineswegs ohne Risiko.

Wenn die Temperaturen steigen, behalten wir unsere Tiere deshalb besonders gut im Auge. Hitzestress kann nämlich rasch entstehen und hat mitunter schwerwiegende Folgen.

Warum sind Alpakas und Lamas so wärmeempfindlich?

Alpakas und Lamas können ihre Körperwärme nur schwer regulieren. Anders als Pferde oder Menschen können sie kaum schwitzen. Ihr dichtes, wolliges Vlies schützt zwar hervorragend vor Kälte, verhindert aber die Abgabe überschüssiger Körperwärme. Zudem spielt die Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle. Eine Temperatur von 28 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit ist für ein Alpaka oder Lama weitaus belastender als 32 Grad in trockener Luft. Ein erhöhtes Risiko tragen ältere Tiere, Tiere mit dunklem oder schwerem Vlies, tragende Stuten sowie Tiere mit gesundheitlichen Problemen.

Auf dem Campingplatz im Schatten von De Heejstek
Lama Rubino unter seinem eigenen Sonnenschirm

Wie beugt man Hittestress vor?

Vorbeugen ist immer besser als Heilen. Deshalb sorgen wir in Hitzeperioden für:

  • ausreichend natürlichen oder künstlichen Schatten

  • permanenten Zugang zu sauberem Trinkwasser

  • eine gute Belüftung in den Unterständen

  • ein geschorenes Vlies, bevor der Sommer richtig losbricht

  • so wenig Stress, Belastung und Anstrengung wie möglich

  • zusätzliche Kontrollen gefährdeter Tiere

Viele Alpakas und Lamas finden zudem Abkühlung, indem sie mit den Füßen im Wasser stehen. Eine flache Wanne oder ein nasser Untergrund machen da bereits einen großen Unterschied.

Wie erkennt man Hitzestress?

Ein Alpaka oder Lama mit Hitzestress zeigt häufig Verhaltensänderungen. Zu den typischen Symptomen gehören:

  • schnelle oder schwere Atmung

  • Atmen durch den geöffneten Mund (Hecheln)

  • Lethargie

  • verminderte Futteraufnahme

  • Absonderung von der Gruppe

  • flaches, ausgestrecktes Liegen

  • Schwierigkeiten beim Aufstehen

  • torkelnder Gang

  • erhöhte Körpertemperatur

In schweren Fällen können die Tiere kollabieren oder sogar sterben. Was wir gelegentlich beobachten, ist, dass ein Alpaka oder Lama, dem es zu heiß ist, nicht mehr aufmerksam auf seine Umgebung reagiert. Das Tier zieht sich zurück, sucht einen ruhigen Platz und wirkt völlig abwesend. In einem solchen Moment muss man sofort handeln.

Lama Erjon hechelt selbst im Schatten
Im Teich unter der saftigen Trauerweide

Was tut man bei Hitzestress?

Wenn ein Alpaka oder Lama Anzeichen von Überhitzung zeigt, ist schnelles Handeln lebenswichtig. Bringen Sie das Tier sofort an einen kühlen, schattigen Ort. Kühlen Sie anschließend vor allem den Bauch, die Achseln, die Leistengegend und die Beine mit Wasser. Genau an diesen Stellen kann überschüssige Wärme effektiv abgeleitet werden. Ein häufiger Fehler ist es, nur den Rücken nass zu machen. Durch das dichte, wollige Vlies erreicht das Wasser die Haut dort kaum, und der kühlende Effekt bleibt minimal. Zudem trocknet die oberste Wollschicht schnell, während es darunter nass bleibt – ein idealer, feucht-warmer Nährboden, in den Fliegen gerne ihre Eier legen. Das zieht dann wiederum ganz andere, gefährliche Konsequenzen nach sich.

Bieten Sie frisches Trinkwasser an und halten Sie das Tier ruhig. Vermeiden Sie jeglichen Stress und Anstrengung. Wenn ein Alpaka oder Lama nicht mehr aufstehen kann, neurologische Symptome zeigt (wie Desorientierung) oder sich nicht rasch wieder erholt, muss unverzüglich ein Tierarzt eingeschaltet werden.

Achte auf deine Tiere

An heißen Tagen laufen wir weitaus häufiger als sonst zwischen den Tieren umher. Wir beobachten die verschiedenen Herden genau. Alpakas und Lamas zijn Fluchttiere und daher Experten darin, Unbehagen und Schmerzen zu verbergen. Wenn sie erst einmal so schlecht beieinander sind, dass sie gar nicht mehr versuchen, den Schein zu wahren, ist es meist schon fünf vor zwölf.

Genau deshalb schauen wir nicht nur auf Temperaturmessungen oder Wettervorhersagen, sondern vor allem auf das Verhalten aller Tiere: Stehen alle entspannt da und kauen wieder? Suchen sie aktiv den Schatten auf? Kommen noch alle gierig zum Futter? Die heißesten Tage des Jahres sind für uns keine Tage, an denen wir weniger arbeiten, auch wenn wir leider oft Aktivitäten absagen müssen. Es sind die Tage, die uns am meisten abverlangen: Wir sind hochgradig wachsam und passen besonders gut auf.