Hinter den Kulissen
Ein High Tea inmitten von Alpakas ist ein besonderes Erlebnis. Ein gemeinsamer Strandspaziergang an der See lässt sich durchaus als Herausforderung bezeichnen. Aber was machen die Tiere eigentlich zwischen den Aktivitäten? Wie läuft es auf dem Hof ab? Womit haben die Betreuer zu tun? Eine Serie über Vorfälle und Fragen.
Jacoline Vlaander
7. Scheren
Genau wie Schafe muss man auch Alpakas einmal im Jahr scheren. Meistens eignen sich die Monate April und Mai dafür am besten. Die schlimmste Kälte ist vorbei und man kommt der Sommerhitze zuvor. In den Monaten danach kann das Vlies gut nachwachsen; bis die Blätter fallen, hüllen sich die Tiere wieder in ihre eigene wollige Wolle.
Die jährliche Schur ist kein überflüssiger Luxus. So beugt man Hitzestress vor. Alpakas verlieren ihr Fell nicht von allein und können überschüssige Wärme nicht gut abgeben. Laufen sie noch in vollem Vlies herum, wenn die Temperaturen Richtung 20 Grad steigen? Dann können sie überhitzen und einen Schock erleiden – mit Organschäden als Folge.
Schürmarathon
Anfang Mai startet der Schürmarathon in der Halle – mit zwei Schürtischen. Da Jacco noch auf See ist, kontaktiert Mara Elbert de Weerd, einen Alpakaschörer aus Nijbroek. Sie vereinbart mit ihm, dass er nicht wie üblich pro Tier bezahlt wird, sondern pro Tag – unabhängig von der Anzahl der geschorenen Tiere: „Wir wollen, dass es ruhig und sorgfältig abläuft“, sagt sie. „Das vermeidet Panik und Verletzungen. Für gesunde und stabile Tiere ist das angenehm, bei traumatisierten Tieren geht es schlichtweg gar nicht anders.“
Personal und Ehrenamtliche sagen – nach Absprache mit ihren Familien – zu, vier lange Tage inklusive dreier Abende voll mitzuwirken. Es ist ein straffer Zeitplan kurz vor Himmelfahrt. Schließlich läuft die normale Arbeit auf dem Hof ja weiter: Ställe ausmisten, Kotschöpfen auf den Weiden, Campinggäste einchecken und morgens Brötchen aufbacken; all die eingehenden Telefonate, E-Mails und Buchungen. Und nicht te vergessen: die Versorgung des Schürteams mit Kaffee, Tee, Mittag- und Abendessen.


Teamwork
Sie bilden zwei Teams: „Neben Elbert helfen kontinuierlich 5 Personen mit“, erzählt Mara. „Das eine Team betreut die Tiere. Es führt sie seitlich an den Schürtisch heran, der vertikal geklappt steht, zieht die Trageschlaufe unter dem Bauch durch und kippt Tier und Tisch gleichzeitig um, bis die Tischplatte horizontal einrastet und das Tier auf der Seite darauf liegt. Dann werden die ausgestreckten Vorder- und Hinterbeine vorsichtig festgebunden. Während des Schierens steht i m m e r jemand von uns am Kopf, um das Tier zu beruhigen. Oft läuft auch eines der Herdenmitglieder um den Tisch herum.“
Währenddessen kümmert sich das andere Team um das eingespannte Alpaka: Die Haut nach kleinen Wunden absuchen und diese desinfizieren, Zähne schleifen, Nägel schneiden, die Stirnlöckchen modellieren. Zudem gibt es jemanden, der die Bahnen der losen Wolle einsammelt, das hochwertige Vlies von schmutzigen Flocken trennt, alles in Säcke verpackt, den Namen des Tieres darauf notiert und den Boden fegt. Der Stall in der Halle fungiert als Wartezimmer. Wer noch nicht an der Reihe ist, schaut mit großen Augen und leisem Summen zu.
Persönlicher Rekord
Die Teams wechseln flexibel zwischen den verschiedenen Alpakas: „Wenn Elbert auf Tisch eins schiert, führen wir bereits das nächste Tier zu Tisch zwei. Sobald die eine Seite des ersten Alpakas fertig ist, wechselt er zu dem Alpaka, das auf Tisch zwei bereitliegt, und wir drehen in der Zwischenzeit das Alpaka auf dem ersten Schürtisch für ihn um.“
So arbeiten sie Stunden um Stunden hintereinander weg. Elbert bricht dabei seinen persönlichen Rekord. Noch nie zuvor hat er mit zwei Schürtischen gearbeitet. Ebenso wenig mit so vielen Helfern. Noch nie hat er 72 Alpakas in 3,5 Tagen geschoren. Abends kriecht er mit Muskelkater zu Frau und Kindern ins Zelt. Zufrieden ist er aber auch: „Es sind ruhige Tiere. Man muss sie nicht jagen oder an die Tische zerren. Sie sind halfterführig und laufen bereitwillig mit. Auch danach springen sie nicht schreiend weg. Man merkt, dass ihr euch hier wirklich intensiv mit ihnen beschäftigt.“ Das Vlies sei fettig und dick, fällt ihm noch auf: „Vielleicht vom Schwimmen im Meer?“


Metamorphose
Trotz des kühlen und nassen Frühjahrs wurden die Tiere in den letzten Wochen bereits merklich träger, sagt Mara: „Einige Alpakas waren toplastig. Es sieht wunderschön und beeindruckend aus, sie sind extrem fotogen. Und natürlich ist es herrlich, sie zu umarmen; man versinkt tief in ihrer wolligen Schicht. Dieses Gefühl ist jetzt völlig anders. Sie wirken klein und zerbrechlich, fühlen sich geschmeidig und fest an. Muskeln und Knochen zeichnen sich ab. Bei Bloem sieht man deutlich, wie sie ihr Fohlen trägt.“
Nach der Metamorphose zeigt sich erst, was so etwa 5 Kilo Vlies für das Aussehen und das Wiedererkennen ausmachen. Denn wer ist wer? Jetzt, wo fast der gesamte charakteristische Look verschwunden ist, schauen sich selbst die Tiere anfangs etwas ungewohnt an. Einige bleiben zunächst auf Distanz – bis man an den entspannten Schwänzen und den nach oben schnellenden Ohren sieht, dass sie ihre Kumpels wiedererkennen. Danach beginnen die vitalen Freudensprünge. Und das gemeinsame Rennen. Leicht und schnell.
Nächste Folge:
Das Kennenlernen unserer Lamas.
Alpacas Zeelandia team
Alpacas Zeelandia team

















