Hinter den Kulissen

Ein High Tea inmitten von Alpakas ist ein besonderes Erlebnis. Ein gemeinsamer Strandspaziergang an der See lässt sich durchaus als Herausforderung bezeichnen. Aber was machen die Tiere eigentlich zwischen den Aktivitäten? Wie läuft es auf dem Hof ab? Womit haben die Betreuer zu tun? Eine Serie über Vorfälle und Fragen.

Jacoline Vlaander

16. Zoë

Vorsprung durch einen Hinweis holen Mara und Jacco im Januar 2025 zwei schwer vernachlässigte Alpakas ab. Zoë (2022) und Puck (2023) hausen offenbar schon seit geraumer Zeit im Garten eines Ferienhauses auf Walcheren. Sie leben von Wasser und Heu. Pflege, Wissen und Fachkenntnis sind nicht vorhanden, Aufsicht gibt es kaum.

Puck, klein und dunkelbraun, ist viel zu leicht, geschwächt und krank. Sie wiegt nur 30 Kilo, obwohl sie mindestens 50 Kilo auf die Waage bringen müsste. Sie liegt in einer Ecke des Unterstands. Ihre Kniegelenke sind blutig, als wäre sie grob hinterhergezogen oder angegriffen worden. Aufstehen klappt nicht mehr, ebenso wenig wie den Hals zu strecken, den Kopf zu heben oder selbstständig zu fressen. Sie stinkt nach Räude, Infektion und Verwesung. Im Anhänger liegt sie erschöpft und zitternd in Maras Armen. Dennoch versucht sie, ihr Köpfchen zu drehen, um zu sehen, wer sie so sanft streichelt.

Mara untersucht Zoë, Januar 2025
Mara untersucht die entzündeten Ohren von Zoë, Januar 2025
Puck – mit viel zu langen Zähnen – bei der Aufnahme, Januar 2025
Auch Puck hat viel zu lange Zähne, Januar 2025

Vernachlässigte Ohrenentzündung

Auch Zoë, weiß mit hellbraunen Flecken, ist mit Räude infiziert. Zudem sind ihre Zähne und Nägel viel zu lang. Sie leidet an einer vernachlässigten Ohrenentzündung; sie lässt die Ohren hängen, und tief im Gehörgang haben sich stinkende Krusten und Eiter festgesetzt. Sie wiegt gerade einmal 37 Kilo, obwohl sie angesichts ihres Alters und ihrer Größe weit über 55 Kilo wiegen müsste.

Doch es gibt Hoffnung, denn sie kann noch stehen und laufen. Auf dem Hof blickt sie sich neugierig um. Die Lamas beeindrucken sie sehr. Besonders Cavada (2023), die Tochter von Calinda (2014), hat es ihr angetan. Sie versucht, sich so oft wie möglich dicht neben sie zu legen, als suche sie Schutz. Auch zeigt sie Appetit: „Wir haben ihr streng dosiert Zusatzfutter gegeben“, erzählt Mara. „Mehrmals am Tag eine kleine Menge, damit Magen und Darm mit diesen Veränderungen Schritt halten können.“ Die Gabe von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln hängt eng mit Zoës Gewichtszunahme zusammen. Jedes Gramm mehr erhöht ihre Überlebenschance.

Mara bringt Zoë bei, wie man jemanden berührt, Januar 2025
Mara zeigt Zoë, wie sich sanfte Berührungen anfühlen
Zoë mit rosa Jacke, Mai 2025
Zoë nach dem Scheren in ihrem rosa Mantel, Mai 2025

Letzte Stunden

Die kleine Puck erlebt noch ein paar besondere letzte Stunden. Zerbrechlich liegt sie auf einer Wärmedecke in Maras Schoß in einer Ecke des Stalls. Sie sind umringt von den Rescue-Stuten und den Fohlen. Stundenlang sitzen Mara und Jacco bei ihr, bis tief in die Nacht: „Wir haben sie mit Medikamenten, Flüssigkeit und flüssigen Nährstoffen unterstützt. Kurz gab es hoffnungsvolle Momente: als sie ein Kotbällchen absetzte und selbstständig ihre Nase in eine Futterschale steckte.“ Doch Puck ist zu stark geschwächt. Ihre Atmung wird immer flacher. In den frühen Morgenstunden des 15. Januar schläft sie für immer ein.

„Tiere haben keine Wahl“, sagt Mara. „Sie sind dem Menschen, der sie kauft, schutzlos ausgeliefert. Sie können ihre Situation nicht ändern. Sie können kein Futter zu sich nehmen, wenn man es ihnen nicht hinstellt. Keine Weide finden, wenn da nur Schlamm ist. Keine Hilfe holen, wenn sie krank sind. Sie stehen einfach nur da, knicken mit den Beinen ein und warten auf das Ende. Wir sind als Menschen verantwortlich und gesetzlich verpflichtet, die Mindestbarmachungen für ein artgerechtes Dasein zu erfüllen.“

An die See

Glücklicherweise geht es mit Zoë langsam bergauf. In den darauffolgenden Wochen nimmt sie bereits ein paar Kilo zu und wirkt kräftiger. Obwohl sie noch schnell müde wird und dann Cavadas Nähe sucht, um neben ihr niederzuplumpsen, rennt sie auch schon fröhlich mit der Herde in Richtung Weide. An einem warmen Tag darf sie sogar mit ans Meer. Das findet sie sichtlich aufregend. Aber sie merkt an den anderen, wie viel Spaß es macht, und vollführt schließlich selbst fröhliche Sprünge.

„Wir haben im vergangenen Frühjahr einen langen Weg mit ihr zurückgelegt“, sagt Mara. „Mit wöchentlichen Räudebehandlungen. Wenn sie auf dem Schürtisch lag, konnte sich eine von uns vorsichtig an das Auskratzen ihrer Ohren wagen. Das ging nur mit Handschuhen und Mundschutz, weil uns von dem Gestank speiübel wurde.“ Ausgewogene Ernährung und Vitamine, jedes Mal ein kleines bisschen mehr. Wöchentliches Wiegen, um die Fortschritte zu überwachen. Stundenlange Beobachtung und eine lückenlose Dokumentation aller Behandlungen, Ergebnisse und zwischenzeitlichen Rückschläge.

Voller Vertrauen

Das Ergebnis all dieser Anstrengungen übertrifft alle Erwartungen: „Was uns am meisten berührt hat, war, dass Zoë alles voller Vertrauen über sich ergehen ließ. Sie war aufmerksam und folgsam, als würde sie begreifen, dass all diese Behandlungen nötig waren. Ihre Ohren wurden letztendlich von innen wieder vollkommen sauber und glatt. Sie bewegt sie geschmeidig und stellt sie stolz nach oben. Der Schmerz ist vergessen. Seitdem riecht Zoë wieder ganz nach sich selbst.“

Als die Waage Mitte Mai 2025 über 50 Kilo anzeigt, ist das für das gesamte Team ein Meilenstein: Zoë heeft es geschafft! Sie ist räudefrei, energiegeladen, verspielt und stark: „Als wir sie wenig später genau wie die anderen geschoren haben, haben wir ihr wegen des frischen Windes einen zuckerwattenrosa Mantel angezogen. Darin lief sie stolz und parmantig auf dem Hof herum.“

Nächste Folge:

Wie pflegt man Alpakas? Wir helfen dir gerne mit unserem TÜV für deine Alpakas!

Alpacas Zeelandia team

Alpacas Zeelandia team

Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Shanti – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Shanti – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste