Hinter den Kulissen

Ein High Tea inmitten von Alpakas ist ein besonderes Erlebnis. Ein gemeinsamer Strandspaziergang an der See lässt sich durchaus als Herausforderung bezeichnen. Aber was machen die Tiere eigentlich zwischen den Aktivitäten? Wie läuft es auf dem Hof ab? Womit haben die Betreuer zu tun? Eine Serie über Vorfälle und Fragen.

Jacoline Vlaander

15. Blut

Jedes Jahr wollen wir uns verbessern, erzählt Mara: „Unser Wissen vertiefen. Mit unserem Handeln nahtlos an die Bedürfnisse aller Tiere anknüpfen. Wir gehen dabei jedes Mal einen Schritt weiter. Wir lernen ständig dazu. So professionalisieren wir die Auffangstation und die Pflege. Das ist auch bitter nötig. Denn es passiert immer noch zu viel, von dem wir wissen: Das hätte so nicht laufen müssen, es hätte auch anders ausgehen können.“

So wie bei Claudia (Geburtsjahr unbekannt), einer dunkelbraunen Stute, die im Januar 2023 zu uns kam: „Ausgemergelt, voller Räude und tragend. Bei den Untersuchungen und Behandlungen war sie voller Vertrauen. Sie frass für zehn und nahm sichtlich an Gewicht zu. Sie wurde fitter, stärker, fröhlicher. Im Juni 2023 brachte sie Coco zur Welt. Von diesem Moment an waren Mutter und Tochter unzertrennlich.“

Leberschäden

Alles scheint gut zu laufen, bis Claudia im März 2024 innerhalb weniger Tage stark abbaut. Eines Nachmittags liegt sie auf der Seite auf der Weide und ringt nach Luft. Eine eilends durchgeführte Blutuntersuchung in Belgien zeigt: Leberschäden, vermutlich irgendwann einmal durch den Großen Leberegel verursacht. Ein Parasit, der bei Pflanzenfressern vorkommt – bei Rindern, Schafen, Ziegen, Hasen, Rehen, Lamas und Alpakas.

Der ausgewachsene Leberegel ist ein Plattwurm von 2 bis 4 Zentimetern Länge. Er lebt in den Gallengängen der Leber des Wirtstiers. Die Eier werden mit dem Kot ausgeschieden und landen im Gras. Die Larven verbreiten sich über die Zwergschlammschnecke als Zwischenwirt. Je feuchter die Weide ist, desto besser gelingt dies. Nach einem nassen Frühjahr und einem feuchten Sommer steigt das Risiko einer Leberegel-Infektion bei Weidetieren enorm.

Coco (l) und Claudia im Sandpaddock, Sommer 2024
Lebenszyklus des Großen Leberegels

Eisenspritzen

„Glücklicherweise erholte sich Claudia nach einigen Eisenspritzen wieder“, sagt Mara. „Aber wir wussten, dass sie nie wieder ganz gesund werden würde. Dafür lief sie schon zu lange damit herum. Wir hätten die Erkrankung viel früher entdecken können, wenn wir ihr Blut direkt bei der Ankunft hätten untersuchen lassen. Blut liefert ein sehr gutes Bild von Mangelerscheinungen und Organversagen. Wenn man mehr weiß, kann man die Behandlung schneller und besser anpassen.“

Doch eine Blutuntersuchung ist nicht umsonst. Wegen der Kosten und des zeitlichen Aufwands ist sie bisher kein Standardverfahren: „Bislang machen wir das nur in Notfällen – wenn wir schon alles Mögliche versucht haben und es einem Tier immer noch schlecht geht.“ Denn der Aufwand ist groß: Den Tierarzt verständigen, um einige Röhrchen Blut abzunehmen. Warten, bis es in dessen Terminplan passt. Anschließend die Blutproben in das nächstgelegene Labor nach Belgien bringen. Auf die Ergebnisse warten. „Da vergehen schnell ein paar Tage. Und die Gesamtkosten für eine einzige Untersuchung – Tierarzt, Transport, Fahrzeit und Laborarbeit – liegen jedes Mal bei über 200,– €.“

Entspannter Sommer

Claudia und Coco erleben zusammen noch einen entspannten Sommer. Sie genießen Strandspaziergänge en all die zusätzliche Aufmerksamkeit der Besucher. Doch im September 2024 verschlechtert sich Claudias Zustand innerhalb weniger Tage dramatisch. Während die anderen herumtollen, liegt sie stundenlang flach auf dem Bauch am Zaun. Ihre Augen werden matt. Nur wenn Coco kurz ihre Nase gegen die ihre drückt, lebt sie für einen Moment auf.

Am Ende des Nachmittags den Weg von der Weide zurück zum Stall zu laufen, schafft sie dann schon fast nicht mehr. Mutlos trottet sie hinter der Herde her. Am 28. Oktober stirbt sie, flankiert von Coco, in Maras Armen.

Claudia schläft über Coco gelehnt, Frühjahr 2024
Claudia einige Stunden vor ihrem Tod, Oktober 2024

Blutanalysegerät

„Sie konnten wir zu unserem großen Bedauern nicht mehr retten“, sagt Mara. „Aber auch wegen all der anderen Erfahrungen mit plötzlich schwer erkrankten Alpakas ist ein Blutanalysegerät für uns unverzichtbar geworden. Wir wollen es selbst machen können – schnell und effizient. Bei Alpakas, die neu ankommen. Bei kranken Tieren. Bei den Sorgenkindern, die trotz aller zusätzlichen Pflege und Medikamente einfach nicht auf die Beine kommen. Wir wollen sofort testen können, sobald wir das Gefühl haben, dass es einem Tier nicht gut geht. Oder sogar präventiv.“

Alle Aktionen und Aktivitäten für die „Christmas Challenge“ der Stiftung DierenLot bringen 14.000,– € ein: „Das is fantastisch. Wir werden das Blutanalysegerät anschaffen und können eine Schulung absolvieren. Damit machen wir den nächsten großen Schritt und starten voller Zuversicht in das neue Jahr.“

Nächste Folge:

Neu: Unser TÜV für dein Alpaka

Alpacas Zeelandia team

Alpacas Zeelandia team

Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Shanti – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Shanti – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste