Hinter den Kulissen
Ein High Tea inmitten von Alpakas ist ein besonderes Erlebnis. Ein gemeinsamer Strandspaziergang an der See lässt sich durchaus als Herausforderung bezeichnen. Aber was machen die Tiere eigentlich zwischen den Aktivitäten? Wie läuft es auf dem Hof ab? Womit haben die Betreuer zu tun? Eine Serie über Vorfälle und Fragen.
Jacoline Vlaander
8. Lamas
Natürlich haben Alpakas Spaß an Wanderungen. Abwechslung tut ihnen gut. Aber Jacco und Mara mussten damals schnell feststellen, dass ihre eigenen, gesunden Tiere nach 8 Kilometern lieber am Wegrand grasen und sich im Sand rollen, anstatt auch nur noch einen Huf vor den anderen zu setzen. Zudem ist der Rücken eines Alpakas nicht für den Transport von Zelten, Schlafsäcken, Gaskochern und Wasserflaschen geeignet. Bei den mehrtägigen Trekkingtouren, die Jacco und Mara gerne mit Gästen unternehmen möchten, müsste also jeder seine Sachen selbst schleppen.
Lamas sind von Natur aus Lasttiere – ruhig, groß und stark. Bei einer Widerristhöhe von gut einem Meter können sie 130 bis 200 Kilo wiegen. Sie sind langbeinig und verfügen über ein enormes Durchhaltevermögen: „Sie arbeiten dementsprechend gerne“, erzählt Mara. „Stolz laufen sie an deiner Seite. Sie drehen ihre gebogenen Bananenohren zu dir, blicken dich durchdringend an und stellen sich ganz auf dich ein. Genau wie Alpakas gehören sie zur Familie der Kameliden. Auch sie sind sozial und leben gerne in Gesellschaft von Artgenossen. Und auch sie fressen Heu, Gräser, Pflanzen, Blütenknospen und Blätter.“
Vorgeschichte
Erste Erfahrungen sammelten Jacco, Mara und das Team mit den Rescue-Lamas Harrie, Andes und Morle. Diese kamen erst im Erwachsenenalter in die Auffangstation: „Erbgut, Vorgeschichte und Training sind ausschlaggebend für das Verhalten. Natürlich kann man gegensteuern und Neues beibringen, denn sie sind sensibel und intelligent. Für unsere eigenen Lamas haben wir jedoch einen Züchter besucht, der besonders auf Umgänglichkeit und einen sozialen Charakter achtet.“
Das wurde zu einem ganz besonderen Urlaub im vergangenen September. Im italienischen Südtirol, in den Ausläufern der Alpen, grasen über 200 Alpakas und Lamas auf Berghängen und in Tälern: „Ein wunderschöner Anblick“, sagt Mara. „So viel Platz für so viele Tiere. Sie sind bildschön und kräftig – Tag und Nacht draußen in der dünnen Höhenluft. Schutz finden sie bei Bäumen, Gebüschen, Heuballen und Felsen. Als der Züchter sie rief, gingen all diese Köpfe nach oben und sie kamen völlig entspannt auf uns zu.“


Alpenweide aus dem Sack
Für die zwölf Lamas, die im Januar 2024 mit einem großen Transporter in Aagtekerke ankommen, ist die Umstellung gewaltig. Auch das Wetter spielt nicht mit: grau, kalt, nass. Die Weiden sind reinste Moore und bleiben es bis weit in das Frühjahr hinein. Das schränkt den Lebensraum für alle Tiere stark ein. Die Lamas, die sich in zwei Gruppen im Stall zurückgezogen haben – die Hengste bei den Hengsten, die Stuten bei den Stuten –, starren tagelang lethargisch vor sich hin. In diesen ersten Wochen verlieren alle ein paar Kilo an Gewicht.
„Glücklicherweise konnten sie sich nach einem Monat ein wenig entspannen“, erzählt Mara. „Sie gewöhnten sich an den Tagesrhythmus hier und fügten sich in die Gemeinschaft ein. Zwischen den Regenschauern können sie nach draußen und mit ans Meer. Wir füttern sie mit Agrobs zu, einem Alpenmüsli aus Bayern. Das machen wir immer noch, und seitdem nehmen sie auch wieder an Gewicht zu.“
Spielen und austoben
Die Lamastuten spielen mit den Alpakastuten. Die Hengste toben auf der großen Weide Hügel rauf, Hügel runter und rangeln miteinander sowie mit den Alpaka-Wallachen. Sie galoppieren auch ausgelassen ihre Runden – vorbei am Campingplatz, über den Pfad zu De Schuilstal und um den Teich herum. Man sieht ihnen die Freude an ihren schwebenden Sprüngen förmlich an. Alle zwölf lassen sich problemlos herbeirufen und versorgen: „Wenn sie an deinem Gesicht schnuppern, riecht das wie Schweizer Streukäse.“
Die Pläne für das Lamatrekking mit Übernachtungen müssen Mara und Jacco vorerst verschieben. Wegen des Regens und der durchwachsenen Saison fährt Jacco weiterhin zur See: „Wir können im Moment einfach zu wenig mit den Tieren trainieren. Das Steigern der Kilometerzahl und das ruhige Hintereinanderherlaufen muss man intensiv üben – nicht nur in den Dünen und am Strand, sondern auch entlang einer viel befahrenen Straße.“


Geburten
Zudem sind einige Lamastuten tragend oder schlichtweg noch te jung für solche Anstrengungen. Im Juni bringt Lily (2011), die Mutter der einjährigen Limbada, einen Sohn zur Welt: Lorenzo. Zwei Tage später bringt auch die Alpakastute Bloem (Geburtsjahr unbekannt) einen Sohn zur Welt: Brenn. „Es ist so witzig, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu sehen“, lacht Mara. „Lorenzo ist zweieinhalbmal so groß wie Brenn und wiegt bereits 22 Kilo. Brenn bringt 10 Kilo auf die Waage. Beide sind braun und hängen unzertrennlich zusammen. Wenn sie sich im Getümmel mal kurz aus den Augen verlieren, sieht man richtig, wie sie sich umschauen und nacheinander suchen.“
Lorenzo geht sehr vorsichtig mit Brenn um. Manchmal schlafen sie tagsüber nebeneinander auf der Weide – völlig erschöpft vom vielen Rennen und Spielen. Ihre Mütter schauen aus sicherer Entfernung zu. Genau wie Lamastute Calinda (2014), die hochtragend ist und zweifellos in nicht allzu ferner Zukunft an einem sonnigen Nachmittag ihr Junges zur Welt bringen wird.
Nächste Folge:
Eine Achterbahnfahrt der Gefühle rund um ein Cria mit einer ganz besonderen Erkrankung.
Alpacas Zeelandia team
Alpacas Zeelandia team

















