Hinter den Kulissen

Ein High Tea inmitten von Alpakas ist ein besonderes Erlebnis. Ein gemeinsamer Strandspaziergang an der See lässt sich durchaus als Herausforderung bezeichnen. Aber was machen die Tiere eigentlich zwischen den Aktivitäten? Wie läuft es auf dem Hof ab? Womit haben die Betreuer zu tun? Eine Serie über Vorfälle und Fragen.

Jacoline Vlaander

14. Räude

Im Frühjahr breitet sich das Blauzungenvirus auch in Zeeland aus. Um auf Nummer sicher zu gehen, lassen Mara und Jacco in den Monaten Mai und Juni vorsorglich etwa 57 gesunde und kräftige Alpakas und Lamas impfen. „Bei den geschwächten Tieren haben wir uns das nicht getraut“, erzählt Mara. „Es war noch zu wenig über die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen bekannt.“ In den darauffolgenden Monaten bleibt der Bestand von einem Blauzungen-Ausbruch verschont. Bei den geimpften Tieren sind lediglich milde Symptome zu beobachten. Die Vorsorgemaßnahmen scheinen also recht effektiv gewesen zu sein.

Doch dann passiert das, was niemand vorhersehen konnte. Einige Wochen nach der Injektion erleiden viele Alpakas und Lamas einen erheblichen Einbruch ihres Immunsystems: „Dadurch wurden sie extrem anfällig für andere Krankheiten und Beschwerden. Viele hatten plötzlich mit schweren Räudeinfektionen zu kämpfen.“

Zweiter Schürmarathon

Wollige Tiere gründlich te untersuchen und einzusalben, ist fast unmöglich. In der Zwischenzeit baut der kränkelnde Alpakabestand sichtlich ab. Die Tiere leiden unter starkem Juckreiz und entzündeten Hautstellen. Sie kratzen sich die Wunden blutig, verlieren den Appetit und nehmen an Gewicht ab. Sie sind müde und lethargisch. Diesen Abwärtstrend wollen Jacco und Mara durchbrechen. Ende September organisieren sie den zweiten Schürmarathon dieses Jahres: „Sie mussten alle dran glauben – die jungen Fohlen ebenso wie die älteren Stuten. Nur bei einigen sehr betagten und fragilen Tieren haben wir das Vlies stehen gelassen.“

Elbert de Weerd aus Nijbroek kommt wieder vorbei. Gemeinsam mit Jacco übernimmt er das Scheren. Die anderen Helfer heben und drehen die Tiere auf den Tischen. Sie schneiden Nägel, waschen, cremen ein, betreuen und versorgen die Tiere. Innerhalb einer halben Woche verlieren über fünfzig sichtlich verdutzte Alpakas ihre warme Sommerwolle.

Seitdem wir die Räude bei allen Tieren gut im Blick haben, steht unser Aktionsplan, sagt Mara: „Den Rest des Jahres legen wir sie nun alle jede Woche auf den Schürtisch. So können wir sie gründlich untersuchen, waschen, einsalben und bei jedem Einzelnen die Fortschritte überwachen. Zudem arbeiten wir täglich daran, ihre Abwehrkräfte zu stärken – mit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Mischung aus Futter, Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten.“

Mara besprüht Sofie (l) und Fiona mit homöopathischen Tropfen
v.l.n.r. Renate, Jacco, Adri & Elbert an den Schürtischen

Zusätzliche Helfer

Ein Aufruf im Newsletter nach zusätzlicher Unterstützung verfehlt seine Wirkung nicht. Wochenlang, an drei Tagen pro Woche, sind Mara und Jacco in einem wechselnden Team von fünf Personen gut 6 Stunden am Tag mit den intensiven Räudebehandlungen beschäftigt: „Eine absolute Schlammschlacht und ein Kraftakt für alle. Besonders im September und Oktober hieß es knallhart durchmalochen. Denn auch die übrigen Arbeiten auf dem Hof stehen ja nicht still.“ Das Reinigen der Ställe ist in diesem Herbst sogar noch intensiver: Neben der täglichen Ausmist-Routine führen die Ehrenamtlichen an einem Tag pro Woche eine große Desinfektion durch: Böden, Wände, Decken, Zäune und Gitterstäbe, Fenster und Rahmen, Futterrinnen, Tränken, Halfter und Leinen.

Auch nach Interviews mit Omroep Zeeland und Radio 1 läuft die Hilfe aus allen Himmelsrichtungen an. Es gibt viele großzügige Spenden, Tipps und Ratschläge. Zusätzliche Besucher melden sich für Wanderungen und High Teas an. Die Teilnehmer kaufen im Anschluss gerne etwas im Hofladen und runden die Beträge großzügig auf. Und von nah und fern treffen stapelweise gebrauchte Pferdedecken in Aagtekerke ein: „Weil die geschorenen Tiere jetzt zu wenig Wolle haben, um gut geschützt in den Winter zu gehen, bekommen sie alle einen maßgeschneiderten Winter- und Regenmantel. Diese alten Pferdedecken waschen wir, schneiden sie passend für Fohlen und erwachsene Tiere zurecht und nähen dann alles neu zusammen.“

Stiftung DierenLot

Parallel zu diesen Zusatzarbeiten läuft die Welttierschutztags-Aktion über die Stiftung DierenLot. Die kurzfristig auf die Beine gestellten Aktionen, eine Online-Auktion, der „3. Oktober-Markt“ in Leiden und all die Spenden bringen 8.963,– € ein. Die Stiftung DierenLot verdoppelt einen Teil dieses Betrags: „Davon bezahlen wir die zusätzlichen Helfer und Arbeitsstunden“, sagt Mara. „Und all die Produkte, die wir für die Behandlungen noch eine ganze Weile brauchen werden, wie Sudocrem, Dectomax, Ivomec und Bymite. Diese Töpfe, Flaschen, Tuben und Dosen sind nämlich immer im Handumdrehen leer.“

Glücklicherweise trägt der unermüdliche Einsatz Früchte. Langsam zeigt sich bei fast allen Alpakas und Lamas eine Besserung. Die entzündeten Stellen heilen ab. Die angegriffene Haut an Nasen, Lippen, Ohren, Bäuchen, Flanken, Achseln, Kniekehlen, Beinen und Gelenken beruhigt sich. Der intensive Juckreiz lässt nach. „Beim wöchentlichen Wiegen sehen wir, dass sich die Körpergewichte stabilisieren. Ihr Appetit nimmt zu, ebenso ihre Bewegungsfreude und Fröhlichkeit. Wie sich die Tiere verhalten, ist ein sehr guter Seismograph dafür, wie wohl sie sich in ihrer Haut fühlen.“

Evitas Nase, September 2024
Evitas Nase, November 2024

Strukturelle Behandlung

Seit Mitte November scheint der Höhepunkt der Räude-Welle überstanden zu sein. Um alle Alpakas vollkommen räudefrei zu bekommen, wird das Team sie bis Weihnachten weiterhin strukturell behandeln. Das Ende dieses Kraftakts ist also in Sicht.

„Da die Tiere inzwischen jedes Mal kürzer auf den Schürtischen liegen müssen, sind wir mit den Behandlungen nicht mehr an drei Tagen pro Woche beschäftigt, sondern nur noch an zweien. Das verschafft uns etwas Luft. Raum zum Durchatmen, zum Vorausschauen und um Pläne für das neue Jahr zu schmieden. Wo wir jetzt stehen, erfüllt uns mit tiefer Dankbarkeit und macht uns Mut.“

Nächste Folge:

Was kann man mit einem Blutanalysegerät machen?

Alpacas Zeelandia team

Alpacas Zeelandia team

Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Annika – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Annekarlijn – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Shanti – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Robin – Praktikant Tierpflege
Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Annika – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Annekarlijn – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Shanti – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Robin – Praktikant Tierpflege