Hinter den Kulissen

Ein High Tea inmitten von Alpakas ist ein besonderes Erlebnis. Ein gemeinsamer Strandspaziergang an der See lässt sich durchaus als Herausforderung bezeichnen. Aber was machen die Tiere eigentlich zwischen den Aktivitäten? Wie läuft es auf dem Hof ab? Womit haben die Betreuer zu tun? Eine Serie über Vorfälle und Fragen.

Jacoline Vlaander

10. Zuhause

An einem sonnigen Montagmoos im Juli fährt Mara um 06:00 Uhr morgens vom Hof. So kommt sie noch vor dem Berufsverkehr an der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Gent an. Sie hofft, dass die drei Lamas nach einigen Tagen stationärem Aufenthalt heute wieder mit nach Hause dürfen: „Die Studenten haben einen Spaziergangsplan aufgestellt und drehen regelmäßig Runden mit ihnen. Aber für die Muskeln, Gelenke und die Verdauung ist es einfach besser, wenn sie über die Weiden flitzen können.“

Ganz zu schweigen von dem ganzen Stress in dieser fremden Umgebung. Stress erlebt sie momentan auch selbst: „Die Saison kommt endlich in Schwung. Gäste in den Unterkünften und auf dem Campingplatz. Viele Strandspaziergänge, High Teas, Picknicks und Meet & Feeds. Last-Minute-Buchungen. Ständig kommen Interessierte vorbei. Die Tage sind lang und intensiv. Das ständige Hin- und Herfahren nach Gent halte ich auf Dauer nicht durch.“

Rektale Untersuchung

In der Box, zwischen den Stallungen mit kranken und genesenden Pferden, die wiehernd gegen die stählernen Trennwände treten, blicken Mutter Calinda und Tochter Cavada erfreut auf, als Mara das Tor herbeischiebt und eintritt. Das Fohlen, das auf den Namen Camillio hören wird, liegt dösend im Heu und gähnt.

Calinda und Cavada machen sich gierig über das Alpenmuesli her. Danach heißt es Warten auf die Visite der diensthabenden Tierärztin. In ihrem Schlepptau befinden sich drei Studenten, die sich Notizen machen. Leise stöhnend übersteht Camillio eine rektale Untersuchung. Ist die Operation geglückt und auch der Durchgang zum Darm frei? Das ist der Fall. Am liebsten würden sie ihn noch etwas dabehalten, erzählen sie, bis er Kot absetzt. Denn erst dann weiß man sicher, dass alles funktioniert.

Aber niemand kann stundenlang danebensitzen. Zudem übersieht man flüssigen Fohlenkot im ganzen Stroh recht leicht. Mara erklärt, dass die Mitarbeiter, Ehrenamtlichen und Praktikanten auf dem Hof einachsames Auge darauf haben werden. Sie selbst wird abends im Stall einziehen. Für die Tiere ist es wirklich das Beste, wenn sie jetzt mitkommen dürfen. Also bekommt Camillio für die letzten zwei Tage Antibiotika und Schmerzmittel über den Venenkatheter in seinem Hals und darf, geschmückt mit einem roten Pflasterverband, zusammen mit seiner Mutter und großen Schwester wieder zurück nach Hause.

Alle Tiere begrüßen Camillio – Mitte Juli
Camillio, Calinda und Cavada auf der Weide – Mitte Juli

Offener Rücken

Camillio wird es vermutlich nicht stören, dass seine Hoden niemals absteigen werden. Auch geht er ohne äußere Geschlechtsmerkmale durchs Leben. Für den Moment sind Urin- und Kotabsatz das Wichtigste: „Allerdings müssen wir den offenen Rücken genau im Auge behalten“, sagt Mara. „Diese neurologische Erkrankung Spina bifida tritt bei Tieren meistens in der Schwanzregion auf. Wirbel und Haut sind nicht vollständig entwickelt. Man sieht es an dem kleinen Buckel hinten auf seinem Rücken, wo die Nerven des Rückenmarks etwas hervorstehen und kaum Schutz durch die dünne Hautschicht und die weichen Löckchen haben.“

Die Sorgen sind also noch nicht vorbei. Andere Jungtiere dürfen beim Toben und Spielen auf keinen Fall auf Camillio draufspringen. Zudem kämpft er mit Koordinationsproblemen. Seine Hinterbeine wirken manchmal schlingernd und kraftlos; beim Rennen kreuzt er sie und erinnert beim Springen ein wenig an ein Känguru. Auch bricht er in sich zusammen, wenn er sich hinlegt: „Vielleicht hat er Rückenschmerzen“, sagt Mara. „An manchen Tagen läuft es besser als an anderen. Dennoch genießt er die Ruhe, den Platz und die Entspannung – und all seine Kumpels. Das Koten kam hier schnell in Gang. Weil ihm Schließ- und Ringmuskel fehlen, m u s s er einfach, wenn er muss, und lässt Urin und Kot dann sofort laufen. Ohne den Schwanz zu heben und ohne in die Hocke zu gehen.“

Robin (l) und Annekarlijn waschen Camillio – Ende Juli
Camillio entspannt in Robins Armen – Ende Juli

Sommerliche Fliegen

Dies bedeutet zusätzliche Arbeit für alle Mitarbeiter, Ehrenamtlichen und Praktikanten. Erst recht bei sommerlichen Temperaturen und den vielen Fliegen. Mehrmals am Tag heißt es: Camillios Po waschen. Eingetrocknete Kotreste vorsichtig wegbürsten. Seinen Schwanz, das Hinterteil und die Innenseiten seiner Hinterbeine sauberseifen, desinfizieren und abtrocknen. Ihn danach mit Veerust (Fliegenspray) einsprühen. Zudem trägt er eine Fliegendecke, damit die summende Plage nicht in seinen Anus kriecht.

An Tagen, an denen er weniger Kraft hat, lässt er es gelassen über sich ergehen. An Tagen, an denen er sich fit fühlt, nimmt er Reißaus und versucht, sich aus dem Haltegriff zu winden: „Er ist schon groß und stark“, lacht Mara. „Seit er aus Gent zurück ist, hat er über 7 Kilo zugenommen. Die Behandlung führen wir immer zu zweit durch. Jetzt, wo seine Zähnchen durchkommen und er auch festes Futter frisst, wird es zum Glück etwas weniger intensiv. Es geht doch nichts über schöne, feste Köttel.“

Nächste Folge:

Die zunehmenden Sorgen um Camillio beschäftigen das Team diesen Sommer.

Alpacas Zeelandia team

Alpacas Zeelandia team

Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Annika – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Annekarlijn – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Shanti – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Robin – Praktikant Tierpflege
Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Annika – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Annekarlijn – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Shanti – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Robin – Praktikant Tierpflege