Hinter den Kulissen

Ein High Tea inmitten von Alpakas ist ein besonderes Erlebnis. Ein gemeinsamer Strandspaziergang an der See lässt sich durchaus als Herausforderung bezeichnen. Aber was machen die Tiere eigentlich zwischen den Aktivitäten? Wie läuft es auf dem Hof ab? Womit haben die Betreuer zu tun? Eine Serie über Vorfälle und Fragen.

Jacoline Vlaander

9. Achterbahn

Niemand bemerkt es an diesem sonnigen Donnerstagnachmittag. Auf der Weide auf der gegenüberliegenden Straßenseite grasen die Herden ruhig weiter. Doch mitten unter ihnen, neben der Lamastute Calinda, steht ein grau-weißes Fohlen – elegant und kräftig. Es blickt neugierig um sich. Die Nachgeburt liegt ein Stück weiter im Gras.

„Ein wunderschönes Tier“, sagt Mara. „Aber ich erschrak, als ich den Schwanz anhob: keine Körperöffnungen, keine eindeutigen Geschlechtsmerkmale. Stattdessen rote, geschlossene Ausstülpungen.“ Sie schickt sofort ein Foto des Phänomens per WhatsApp an den Tierarzt. Dieser verweist sie ohne Umschweife an die Tiermedizinische Fakultät der Universität Gent. Gleichzeitig trifft die Genehmigung der NVWA (Niederländische Behörde für Lebensmittel- und Produktsicherheit) ein, um mit mehreren Lamas die Grenze nach Belgien überqueren zu dürfen.

Es ist keine Zeit zu verlieren. Mara mobilisiert das Team. Innerhalb von anderthalb Stunden stehen alle Alpakas und Lamas wieder auf dem Hof in ihren Ställen. Die Medikamenten- und Fütterungsrunden werden extra vorgezogen. Calinda, ihre einjährige Tochter Cavada und das neugeborene Fohlen kommen zu dritt in den Anhänger. Renate fährt gemeinsam mit Mara nach Gent.

Untersuchungen

Spezialisten und Tiermedizinstudenten erwarten sie bereits. Sie sind auf den ersten Blick schockverliebt in das unglückliche Kleine. Es wird sofort eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um zu prüfen, ob Darm, Nieren und Blase vorhanden und vollständig entwickelt sind. Nachdem das Fohlen etwas getrunken hat, lässt sich das gut erkennen. Später am Abend folgt eine weitere Untersuchung, und die Blase wird mithilfe eines Katheters entleert.

Mara und Renate lassen die Tiere in einer Box mit Heu und Wasser zurück und fahren nach Aagtekerke. Mitten in der Nacht klingelt das Telefon: Es handle sich um eine angeborene Fehlbildung, erklärt der Arzt, vergleichbar mit einer Spina bifida („offener Rücken“). Allerdings liegen Blase und Darm weit genug hinten, um chirurgisch Verbindungen zu neuen Öffnungen herzustellen. Diese Operation könne für den nächsten Morgen eingeplant werden. Ob das Fohlen danach für immer inkontinent bleiben wird, ist noch unklar – ebenso das weitere Vorgehen bezüglich der nicht geschlossenen Rückenwirbel.

Fehlende Kot- und Urinausgänge bei Calindas Fohlen
Kot- und Urinausgang operativ geschaffen

Operation

Am Freitag um 07:30 Uhr ist Mara wieder in der Fakultät in Gent. Das Fohlen kommt zuerst für ein CT unter Vollnarkose und wird noch am selben Vormittag operiert. Mutter Calinda ist in diesen Stunden völlig von der Rolle. Sie knurrt, faucht und steigt in der Box auf. Unentwegt läuft sie an den Wänden auf und ab. Mara sitzt zwischen den Heuballen und versucht, sie mithilfe der Trust Technique zu beruhigen. Zur Ablenkung geht sie mit beiden Lamas auf dem Gelände spazieren. Als das Fohlen am Nachmittag aus der Narkose erwacht und wieder zwischen ihnen liegt, kehrt kurzzeitig etwas Ruhe ein: „Zum Glück hat sie es wiedererkannt – trotz des intensiven Geruchs nach Desinfektionsmitteln.“

Am liebsten würde Mara so lange bei den Tieren bleiben, bis Kot- und Urinabsatz von alleine in Gang kommen. Doch die Ausscheidungen lassen auf sich warten, und die Arbeit auf dem Hof schläft nicht. „Immerhin war der Patient wach und aktiv. Als wir kurz zu dritt nach draußen gingen, sprang er ausgelassen herum.“ Da dies auch Calinda beruhigt, fährt Mara zurück nach Aagtekerke. Es ist bereits 22:00 Uhr, als sie ankommt und vor dem Schlafengehen noch eine letzte Kontrollrunde durch die Ställe dreht.

Steißlage

Im Hallenstall liegt das Rescue-Alpaka Dunya (Geburtsjahr unbekannt, vermutlich tragend) exakt an derselben Stelle wie schon am Morgen. „Und das ist absolut nicht der Platz, an dem sie normalerweise liegt.“ Es wirkt, als sei Dunya sichtlich erleichtert, als Mara sich über sie beugt. Sie rappelt sich auf, dreht ihr Hinterteil zu Mara und beginnt zu pressen: „Also hieß es: schnell Handschuhe und Gleitmittel holen! Ich tastete nach innen und fühlte den kleinen Schwanz und die Fesseln. Eine Steißlage. Sofort den Tierarzt anrufen.“ In der Zwischenzeit presst Dunya unentwegt weiter. Sie erleidet einen Dammriss. Schließlich gelingt es Mara, die Beinchen und das Gesäß zu fassen und das Junge zu holen. Der Tierarzt näht die Wunde anschließend.

Das Fohlen – hellbraun-weiß mit blaugrauen Augen – lebt in diesem Moment noch. Es ist jedoch extrem schwach und kraftlos. Trotz einer sofortigen Energiezufuhr für Crias kommt es nicht richtig auf die Beine. Mara installiert die Wärmelampe und wickelt das Kleine in Decken. „Vielleicht hat es Fruchtwasser eingeatmet oder war zu lange ohne Sauerstoff.“ Die Beinchen bleiben schlaff und weich. Bis zum Morgengrauen sitzt Mara im Einstreu zwischen den Tieren. Sie lauscht der schnellen, flachen Atmung, die immer schwächer wird – und Dunyas leisem, besorgtem Summen.

Calinda begrüßt ihr Fohlen nach der Operation
Abendliches Beine-Vertreten nach der Operation

Apathisch

Zeit für Trauer bleibt kaum. Ein paar Stunden später, wieder zurück in Gent, liegt das Lama-Fohlen apathisch im Heu. Mutter Calinda steht extrem unter Stress. Sie tritt nach ihm, wenn er versucht zu trinken. Als Mara mit den dreien eine Runde über das Gelände dreht, knicken dem Kleinen im Gras die Beine weg.

Das Spazierengehen tut ihnen zur Ablenkung und Entspannung gut. Wenn sie in Bewegung sind, lässt Calinda ihr Fohlen trinken, die Antibiotikakur kann anschlagen und die Muskeln des Kleinen werden gestärkt. Die begeisterten Tiermedizinstudenten versprechen, während Maras Abwesenheit regelmäßig mit ihnen laufen zu gehen.

Nächste Folge:

Calindas Fohlen kehrt nach Hause zurück.

Alpacas Zeelandia team

Alpacas Zeelandia team

Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Annika – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Annekarlijn – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Shanti – Praktikantin Tierpflege
Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Annika – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Annekarlijn – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Shanti – Praktikantin Tierpflege