Hinter den Kulissen

Ein High Tea inmitten von Alpakas ist ein besonderes Erlebnis. Ein gemeinsamer Strandspaziergang an der See lässt sich durchaus als Herausforderung bezeichnen. Aber was machen die Tiere eigentlich zwischen den Aktivitäten? Wie läuft es auf dem Hof ab? Womit haben die Betreuer zu tun? Eine Serie über Vorfälle und Fragen.

Jacoline Vlaander

6. Kot

Vom Kot kann man lernen. Form, Struktur, Farbe und Geruch verraten viel über die Gesundheit. Die niederländische Magen-Darm-Stiftung empfiehlt daher, mit dem Spülen und dem Sprint aus der Toilette einen Moment zu warten: Wirf erst einen aufmerksamen Blick zurück. Inhaliere das Aroma deines Lebensstils und deiner Innereien. Denn wie es um deine Verdauung, deine Darmflora und dein Immunsystem bestellt ist, lässt sich an dem ablesen, was dort dampfend treibt.

Auch der Kot von Alpakas und Lamas gibt viele Geheimnisse preis. Genaues Beobachten ist wichtig: „Es macht Spaß, seine Tiere über ihre Ausscheidungen kennenzulernen“, sagt Mara. „Wenn ich irgendwo längliche Köttel liegen sehe, weiß ich: Alpha (2016) war hier. Arenda (2017) verstreut einen Fächer aus runden Kötteln und bei Yuno (2014) ist es meistens weich. Manchmal entdeckt man überall nur grüne Fladen. Dann standen sie am Vortag vielleicht etwas zu lange auf der Weide. Wenn das Trockenfutter zu trocken war oder sie zu wenig getrunken haben, springen die Köttel meterweit über den Hof.“

Monatliche Kotuntersuchung

Für eine gute Pflege muss man weiter als nur auf die Form schauen. Alpakahalter wissen es: Es geht nicht ohne regelmäßige Kotuntersuchungen. „Eier gelangen über den Kot infizierter Alpakas ins Gras“, erklärt Mara. „Die Larven aus diesen Eiern werden beim Grasen aufgenommen. Sie wandern durch das Gewebe der Organe, wachsen zu Würmern heran und paaren sich im Darm – mit schrecklichen Erkrankungen als Folge. Wir bleiben da also ganz dicht dran.“

Unter dem Mikroskop sind Würmer, Parasiten und selbst Eier gut sichtbar: „So überwachen wir alle Alpakas und Lamas. Unsere Ergebnisse halten wir in einer Online-Datenbank fest. Gesunde Tiere versuchen wir gesund zu halten. Bei müden oder geschwächten Tieren erkennen wir, was ihnen fehlt. Wir wissen dann, welche Medikamente wir verabreichen müssen und in welcher Dosierung. Bei d i e s e r Gruppe untersuchen wir den Kot vierzehn Tage später erneut: Schlägt die Behandlung an und nimmt die Zahl der Mikroorganismen ab?“

Das Köttelsammeln ist in den Tagen vor der Untersuchung ein erwartungsvolles Ritual. Mitarbeiter und Ehrenamtliche schlendern durch die Paddocks und Weiden, Plastiktüten und Namensklammern im Gepäck. Alpakas und Lamas, die die Kotplätze beschnuppern, sich träumerisch im Kreis drehen und mit leicht angehobenem Schwanz breitbeinig in die Hinterhand gehen, verliert niemand aus den Augen. Danach heißt es: schnell bücken und die noch warmen Köttel einsammeln. Pro Tier kommen sie in eine Tüte, Namensklammer drauf und sofort ab in das Gemüsefach des Medikamentenkühlschranks. Auf dem dort hängenden Formular mit 86 Namen wird abgehakt, wessen Ausscheidungen beschlagnahmt wurden. Frischer Kot ist gekühlt 7 Tage haltbar.

Fiona kotet
Kotbeutel mit Namensklammern

Kot präparieren

An einem Donnerstagmorgen im April sitzen die Ehrenamtlichen Millie, Herman, Eefje, Annekarlijn, Annie, Nicky und Diana um den großen Holztisch in der Kantine. In der Mitte steht die Kiste mit den gefüllten Beuteln. Zwischen Waagen, Bechern und Zählkammern entwickeln sich animierte Gespräche.

Innerhalb weniger Stunden präparieren sie alle Ausscheidungen. Routinegemäß wiegen sie jeweils 4 Gramm Kot ab, fügen 26 Milliliter Salzlösung hinzu und gießen diesen Kotbrei durch ein Sieb in einen Becher. Mit einem Löffel drücken sie die Masse trocken. Mit einer kleinen Spritze entnehmen sie 1,5 Milliliter Kotflüssigkeit aus der obersten Schicht, da die Eier dort oben schwimmen. Sie füllen die Zählkammer auf beiden Seiten mit dem Inhalt der Spritze. Danach bringen sie die Zählkammer mitsamt dem Namen des Tieres für die Endphase ins Büro, reinigen die Utensilien und stürzen sich auf die nächsten Proben.

Mara und Renate blicken stundenlang durch das Mikroskop, führen Buch über Ergebnisse und Tiere. In medizinischen Nachschlagewerken suchen sie nach passenden Medikamenten und Dosierungen gegen die Parasiten, die sie entdecken. Trotz des nassen Frühjahrs ist das Gesamtbild der Herden unauffällig: „Hier und da ein wenig leichter Nematodirus“, sagt Mara. „Bei Fohlen verursacht dies verzögertes Wachstum und wässrigen Kot. Bei einigen Tieren haben wir Kokzidien entdeckt: Diese greifen die Darmzellen an. Obwohl wir die spezifischen Symptome wie Lethargie, verminderten Appetit, Gewichtsverlust oder dunkelbraunen, stinkenden Durchfall noch nicht gesehen haben, werden wir sie in nächster Zeit besonders genau im Auge behalten – daran können sie sterben.“

Kotproben präparieren
Renate (l) und Mara begutachten die Kotproben

Neue Tiere

Bei Tieren, die neu ankommen, ist die Infektionsrate hoch: „Besonders, wenn sie in schmutzigen Ställen oder auf überschwemmten Weiden standen. Sobald sie hier sind, stellt sich nach einer Weile eine natürliche Resistenz ein. Die Symptome werden milder. Dann lassen wir auch schon mal eine Behandlung aus und kontrollieren zwei Wochen später erneut. Wenn es nötig ist, behandeln wir doch noch. Aber oft sehen wir, dass der Parasit innerhalb von 28 Tagen von selbst verschwindet.“

In den ersten Monaten des Jahres stehen die Alpakas und Lamas gezwungenermaßen viel in den drainierten Paddocks. Das Knabbern an den eingesammelten Weihnachtsbäumen schmeckt ihnen nicht nur gut und macht Spaß, sondern senkt auch die Infektionen: „Wir müssen dann weniger synthetische Medikamente verabreichen – dank des Recyclings all der Tannen.“

Nächste Folge:

Der jährliche Schürmarathon: Wer ist wer nach dieser Metamorphose?

Alpacas Zeelandia team

Alpacas Zeelandia team

Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Annika – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Annekarlijn – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Mara - Inhaberin
Jacco - Inhaber
Renate - Allround-Mitarbeiterin, Tiere & Gäste
Daniela - Allround-Mitarbeiterin, Gäste & Backoffice
Annika – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste
Angela – Allround-Aushilfskraft, Tiere & Gäste
Annekarlijn – Allround-Ehrenamtliche, Tiere & Gäste